HACKS - UND KEIN ENDE!
- Ein Hacks-Fest-Wochenende 2016 -
Berlin: 30.September - 2.Oktober 2016
im Theater im Palais Unter den Linden



Teilnahme an den Dingen
ist das einzige Reelle.

GOETHE




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Dr. Seltsams 300. Wochenschau

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DER MALER DES KÖNIGS





Axel Werner (© N. Klier) / Annekathrin Bürger (© B. Köppe) / Hendrik Arnst (© S.T. Müller)


Zum ersten Mal wird in Berlin Peter Hacks´ Stück DER MALER DES KÖNIGS (1991 !) vorgestellt - und zwar in hochkarätiger Besetzung: mit Annekathrin Bürger, Axel Werner (in der Titelrolle) und Hendrik Arnst. Wahrhaft ein epochales Schauspieler-Trio, das sich hier Hacks widmet, worauf man sich zurecht freuen darf! – In diesem späten Werk von Hacks geht es um den französischen Rokoko-Maler François Boucher, dessen erotische Bilder einst die Gunst des Königs genossen – doch seither sind längst andere Zeiten angebrochen… Des Malers ehemaliges Modell, das ihm für die "Odaliske" stand, muß nun ihn und seinen Schüler versorgen...

Die Perspektive, die der Fensterblick in die Zukunft eröffnet, ist der auf die nahende Revolution. - "In seiner Komödie bezieht sich Peter Hacks auf die Situation des Künstlers innerhalb des Staates und seinen Einfluss auf die Gesellschaft." Die zentrale Frage, die unterm Grund all der Farben, Lüste, Nöte und schillernden Wortwechselt rumort und uns trifft, lautet schlicht und einfach:

Wieviel und welche Kultur braucht ein Staat,
um ein blühender genannt werden zu dürfen?

Die Komödie bildet mit "Fafner, die Bisammaus" und "Der Geldgott" (nach Aristophanes) quasi das Zentrum einer 1991 publizierten - wenn man es so sehen will: Trilogie - einer "Trilogie des Kapitalismus", wie Jens Mehrle bemerkt. - Hacksens weltklug-gewitzte Dialoge sind in ihrer munteren Abgründigkeit ein gefundenes Fressen für alle Komödianten und bieten, wie bei Hacks wohl kaum anders zu erwarten, für ein ebenso kunstsinniges wie politisch aufgeklärtes Publikum reiche Entdeckungen. - Nur die deutschen Bühnen zieren sich. - Hacks weiß warum, und spricht es aus.


Musik von Rameau





Samstag, 1. Oktober 2016
19:30
Uhr - Premiere

DER MALER DES KÖNIGS
mit
Annekathrin Bürger, Axel Werner und Hendrik Arnst
sowie der Stimme von Gabriele Streichhahn

- Die Premiere ist Gudrun Ehlert gewidmet -


*


Sonntag, 2. Oktober 2016
16:00
Uhr - Nachmittagsvorstellung

DER MALER DES KÖNIGS
mit
Annekathrin Bürger, Axel Werner und Hendrik Arnst
sowie der Stimme von Gabriele Streichhahn

- anschl. kleine Feier -


Hendrik Arnst, Annekathrin Bürger, Axel Werner während der Lesung (© Lars Jolig)




Kartenpreise
Solidaritätsticket: 27,- € / Normal: 22,- € / Ermäßigt: 14,- € / Sozial-Ticket (BerlinPass): 8,- €




Über Voltaire schreibt Hacks (über Hacks) in seinem Voltaire-Essai Ödipus Königsmörder:

Der Dichter macht gute Miene beim Zugrundegehn, er schreibt seine Tagalpträume mit großem Anstand nieder. Der Umgang mit dem Gräßlichen ist so gepflegt, daß Fühllose die Romane für Humoresken halten und Roheit sie zur Unterhaltung liest. Es ist kaum möglich, die Niedrigkeit heutiger literarischer Urteile zu unterbieten. Man liebt heute doch nichts so sehr wie heulendes Elend. Voltaires Elend wird für kein Elend genommen, weil er unterläßt zu heulen.






François Boucher, L´Odalisque blonde (Mlle. Marie-Louise O´Murph), 1752
- Alte Pinakothek München -




"Der Ort ist in Paris, die Zeit, vom Vorspiel abgesehen, in der ausgehenden Epoche Ludwigs XVI.
Das Stück erzählt geschichtliche Tatsachen, einige davon wahrheitsgemäß"
- Peter Hacks -

KOORDINATEN ZU DEN IM STÜCK ERWÄHNTEN PERSONEN: Das Rokoko, jenes vorrevolutionäre Zeitalter, in dem die Aufklärung vor allem gegen die Kirche ("L´Infame", wie Voltaire <1694-1778> sie nur nennt) sich Bahn bricht, schien wie eine Befreiung nach den religiösen Exzessen am Ende des "Grand Siècle": es feierte - inspiriert von der Antike - die Sinnlichkeit, den Körper und die Lüste. An Poussin und Lorrain anknüpfend, dominierten auch in der Malerei wieder erotische und antike Idyllen (unbekümmert von klerikalen Verfluchungen und Strafen): so bei den Antoine Watteau, Subleyras, Lancret, Oudry etc. und - dem "Maler des Königs" (Ludwig XV.) François Boucher (1703-1770). - Denis Diderot (1713-1784), der geniale Philosoph (und Günstling der königlichen Mätresse Madame de Pompadour <1721-1764>), Kopf der Enzyklopädisten (zu denen auch Voltaire gehört), wetterte hoch moralisierend gegen den Maler Boucher, der die Pompadour porträtiert hatte, und den er bloß als einen Gesellen von Prostituierten, ohne höhere Visionen sah. Auch in den Bildern von Bouchers Schüler Jean-Honoré Fragonard (1732-1806), von dem Diderot hingegen hingerissen ist, triumphiert die Sinnlichkeit in schier atemberaubender Emphase - Ausdruck freien Lebensgenusses. Dazu kontrastierend gestalten Maler wie der Pastellkünstler Chardin (den Diderot liebt) und der weniger bekannte Jean-Baptiste Greuze (1725-1805) eher "tugendhafte" Szenen der Bescheidenheit aus dem bürgerlichen Alltag und dem von Familien, bevor Jacques-Louis David (1748-1825), der einer der Revolutionäre und führenden Konventmitglieder werden sollte, mit seinem Klassizismus in erstarrender Grandiosität den (revolutionär-republikanisch gemeinten) Geist der Antike heraufzubeschwören versucht - um schließlich die Kaiserkrönung Napoléons zu malen. - Die Bilder alle hängen heute friedlich beieinander: im Louvre, in den Sälen 36 bis 40, sowie 46 bis 49 und 51, dann kommt David mit seiner Schule (wenn man den unterirdischen Eingang von der Métro aus nimmt, kann man die Warteschlangen vor der Pyramide vermeiden...). - O.B. -