HACKS - UND KEIN ENDE!
- Ein Hacks-Fest-Wochenende 2016 -
Berlin: 30.September - 2.Oktober 2016
im Theater im Palais Unter den Linden



Teilnahme an den Dingen
ist das einzige Reelle.

GOETHE




Startseite / Programmfolge / Warum Hacks? / Hacks-Wochenende / Neues von Hacks! / Hacks für Kinder!

Dr. Seltsams 300. Wochenschau

Veranstalter & Mitwirkende / PATENSCHAFT / Kartenverkauf / Kontakt & Impressum



IN MEMORIAM



Der Vorabend (30. September) soll einer Hommage an Cox Habbema ((* 21. März 1944 in Amsterdam; † 18. April 2016 ebenda) gewidmet sein: die langjährige Theater-Kollegin und enge Freundin von Hacks hatte sich bis zuletzt für sein Werk eingesetzt, künstlerisch wie kulturpolitisch - und finanziell. In den letzten Jahren unterstützte sie das „Habbema“, die kleine Bühne der Peter-Hacks-Gesellschaft auf dem Prenzlauer Berg, das sich Hacks´ Werken und Themen widmete.

Wir bringen Cox Habbemas wundervolle Fernseh-Inszenierung von MUSEN, Teile I-III (DFF 1981) und lesen den IV. Teil: "Schmeckebier" (der damals unrealisiert blieb) life – mit Wolfgang Hosfeld (der neben Karin Gregorek und eberhard Esche bereits in der TV-Produktion mitwirkte) und in der einst Eberhard Esche zugedachten Rolle: Michael Kind, die Titelrolle der Schmeckebier übernimmt Nadja Engel. – Auch in diesem Stücktext werden Rolle und Selbstverständnis des Künstlers in seiner Zeit thematisiert…




Freitag, 30.9.

19:30 Uhr - Hommage In memoriam Cox Habbema

MUSEN I-III (DFF 1981)
anschließend
life
halbszen. Lesung
MUSEN IV. "Schmeckebier"
mit
Nadja Engel, Wolfgang Hosfeld und Michael Kind


Wolfgang Hosfeld, Nadja Engel, Michael Kind im TiP am 30.9.2016 (© Lars Jolig)

*

Anschließend Gespräch u.a. mit
Karin Gregorek
über MUSEN IV: "Schmeckebier",
die DDR-Fernsehproduktion von Cox Habbema,
Esche und die Theaterepoche...


Wolfgang Hosfeld, Karin Gregorek, Olaf Brühl im TiP am 30.9.2016 (© Lars Jolig)




Kartenpreise
Solidaritätsticket: 24,- € / Normal: 19,- € / Ermäßigt: 12,- € / Sozial-Ticket € (BerlinPass): 7,- €




Cox Habbema, die Fremde, kam mit ihrer Stimme (violagefärbt, holländisch schmeichelnd), in unsere DDR-Enklave von jenem andren, fernen, uns unerreichbaren Stern, Amsterdam, dem Welthafen am Atlantik, einem Paralleluniversum: Cox Habbema, Wesen aus einer Zwischenwelt immer – nicht nur im Film, nicht nur im Drachendrama märchenhaft und mehr wissend, immer die kluge Tochter, schön, goldhaarumwallt, und in stiller, warmherziger Überlegenheit. Sie sah, wie die Bauerntochter, genau auf die Dinge, und mit Vernunft und wohlwollender Unbestechlichkeit, quasi: real angewandte Poesie. Irgendwie sehr sozialistisch.

Ich reiste nach Berlin und im DT fand 1977 just die 500. Aufführung des „Drachen“ statt: mit Rolf Ludwig und Eberhard Esche und Horst Drinda – und als Else: Cox Habbema. Da stand sie, gab Widerworte und Zärtlichkeit, zeigte widerstreitende Gefühle und Gedanken, ganz stark, ganz präzise, störrisch liebend, mit Vehemenz.

Jahrzehnte später wurde auf dem Prenzlauer Berg ein kleines Theaterchen mit ihrem Namen eröffnet: für die Peter-Hacks-Gesellschaft. Sie engagierte sich, unterstützte es, jahrelang, um bis zuletzt das Werk des befreundeten Dichters und Dramatikers präsent zu halten inmitten einer Welt bornierter Ignoranz, wissentlicher Unwissenheit (Ende 2015 wurde es geschlossen). Dort durfte ich ihr begegnen. Da stand sie, ganz wirklich unwirklich, wie immer, schön, wie immer, sanft, sie konnte sanft sehr entschieden und unbedingt sein. Wenn Habbema die großen späten politischen Gedichte von Hacks vortrug, den VERRÄTERBALL etwa oder DAS VATERLAND oder "1990" (ich höre beim Wiederlesen jedes Wort in Cox´ Ton!), so ist es immer mit dieser weise-klaren Entschiedenheit, nicht ohne ironisches Amüsement, etwas bitter-gelassen. Nur bei ihr hatte DAS MUSIKALISCHE NASHORN eine Intonation von so überlegener Heiterkeit, die den Kreis jeder Kinderparabel sprengt und: ein Gesetz der Welt meint. Im „Habbema“ auch stellte ich vor wenigen Jahren, 2012, unsere Lesung von Hacks´1991-er Lustspiel FAFNER, DIE BISAM-MAUS vor. Beim Applaus drehte ich mich um, Cox stand unmittelbar vor mir, sie hatte schon meine Schultern gefasst und – drückte mir, sanft, mit ihrem wundervollen Mund einen Kuss auf die Lippen. Immer ging Glück von ihr aus.

Dass nun sie so plötzlich und früh ging, ist die eine unglückliche Verletzung dieses Gesetzes.

Theater der Zeit 6/2016




- Cox Habbema, 2011 -
im Berliner "HABBEMA - Bühne der Peter-Hacks-Gesellschaft"
- Foto: dpa -