Impressum

TODD FORD &
CARACALLA im AUSLAND


"Negativbefunde für den common sense, aber Hoffnungsimpulse überhaupt."



sokolowski. KLAUS
MANN STIRBT.


"Das ist kein psychologischer Befund, sondern ein gesellschaftlicher."



literaturperformance
bachmusik / tanz / videoart





18. & 19. november 2006 / 20 h

100. geburtstag
klaus mann 2006




mit Todd Ford, Tanz,
und den Schauspielern
Roald Schramm, Jonas Littauer
und Fabian Ramos Chagas,
sowie: Anja Burckhard, Sopran,
Udo & Benno Koloska, Musiker:
Komposition & LifeImprovisationen




Eduardo Raccah
WHO IS EDU? II

Videoart&Installationen

&

Diegonante
ZWISCHEN & BETWEEN
Life & 2 Installationen


Fotodokumentation
Christian Del Monte





GRENZGÄNGER
AUSLAND Berlin
Lychener Strasse 60





CARACALLA.
theater berlin


gefördert vom kulturamt pankow
beim bezirksamt pankow von berlin
fachbereich kultur



«Überall werde ich – Fremdling sein.
Ein Mensch meiner Art ist
stets und allüberall durchaus einsam.»
- KLAUS MANN, 1922 -





Warum KLAUS MANN STIRBT ?


KLAUS MANN:
geboren am 18. November 1906 in München als ältester Sohn von THOMAS und KATIA MANN, geb. VON PRINGSHEIM. - Von seiner Jugend erzählt er in der ersten Autobiographie „Kind dieser Zeit“ 1932. – Früh, unbeirrt und entschieden wendet er sich gegen die Faschisten. Er emigriert aus Nazi-Deutschland 1933 und kehrt nie zurück; Mitherausgeber der antifaschistischen Zeitschrift „Die Sammlung“ 1933-35. 1938 als Reporter im Spanischen Bürgerkrieg. Seit 1939 wird er vom Geheimdienst des FBI bis in Details seines Intimlebens ausspioniert und als Sowjetagent verdächtigt; 1942 Eintritt in die US-Army, 1943 Staatsbürger der USA. Teilnahme am aliierten Feldzug in Italien. Berichterstatter aus Österreich und Deutschland Mai/Juni 1945.

Sein Dasein ist rastlos. Immer wieder muss er mit der Drogensucht kämpfen, zeitweise mit Armut; er leidet an der bürgerlichen Distanziertheit seines Vaters lebenslänglich.

Unter vielen sehr bedeutenden und berühmten Freunden ragt eine zeitlang JEAN COCTEAU heraus, der ihn 1931 als: „einen meiner Landsleute“ bezeichnet, „will sagen: ein junger Mann, der auf dieser Erde schlecht behaust ist und der geradewegs die Sprache des Herzens spricht.“

Über ANDRÉ GIDE schreibt KLAUS MANN 1943 ein bewundernswertes Buch: „André Gide and the Crisis of Modern Thought“ – 1948 in deutscher Version: „André Gide. Die Geschichte eines Europäers.“

KLAUS MANNS Gesamtwerk ist autobiographisch bestimmt, das Motiv des Freitodes durchzieht seine Werke; er schreibt wie „Auf der Suche nach einem Weg“ (Essaysammlung 1931): neben Novellen („Vergitterte Fenster“ – über den letzten Tag des Bayernkönigs LUDWIG II., 1937) und Stücken („Der siebente Engel“, 1946) den TSCHAIKOWSKI-Roman „Symphonie Pathétique“ 1935, sowie v.a. die sozial- und kulturkritisch bedeutsame Autobiographie „The Turning Point“ von 1942; deren wesentlich erweiterte deutsche Version „Der Wendepunkt“, im Mai 1949 fertiggestellt, erscheint posthum erst 1952.

1948 unternimmt KLAUS MANN eine Vortragsreise durch Europa und versucht so, die während des Krieges im Kampf gegen den Faschismus Verbündeten nun für eine neue, humanistische Friedensordnung anzusprechen. Sein Engagement und Schreiben erscheinen ihm selbst zunehmend wie "Auf verlorenem Posten" ...

Am 15. Mai 1949, fünf Tage vor dem Selbstmord (der nach neueren Erkenntnissen allerdings auch ein Drogentod, ein Unfall gewesen sein könnte), schreibt KLAUS MANN aus Cannes an seine Mutter KATIA und an die geliebte Schwester ERIKA MANN in einem Brief:

„Da die Frankfurter Visite ja so ziemlich mit der Etablierung des Westdeutschen Staates koizidiert, läge es doch nahe, dass man dem Vater“ [THOMAS MANN] „die Präsidentschaft anböte. Aber dann müsste er sich wohl nach dummem demokratischen Usus wählen lassen? Das wäre langweilig, ginge wohl auch schief aus. Könnte er sich nicht einfach ernennen lassen, so hätte ich nichts dagegen. Das Dichterschicksal würde sich bedeutend ründen, es wäre eine fette Pointe für die Biographen da. Und die Deutschen könnten sich ins Fäustchen lachen. Wer stünde ihnen sonst zur Verfügung? Dieser Präsident wäre in beiden Zonen akzeptabel und angesehen: er gehört zum Westen, wird aber vom Osten höflich anerkannt. Und was für eine schöne Familienpolitik wir machen könnten! Major Hindenburg und Papen“ [Deutsche Politiker der Zwanziger und Dreißiger Jahre] „sind nichts dagegen. Ich würde dafür sorgen, dass nur Schwule gute Stellungen kriegen; der Verkauf des heilsamen Morphium wird freigegeben; E.“ [ERIKA MANN] „amtiert als graue Eminenz in Godesberg, während der Vater in Bonn mit dem russischen Gesandten Rheinwein schlürft.“

Fünf Tage später, am Abend des 20. Mai 1949, vergiftet sich KLAUS MANN (wie bislang angenommen) mit einer Überdosis Schlaftabletten in einem Hotelzimmer in Cannes. Er stirbt nach ca. 20-stündiger Bewusstlosigkeit am 21. Mai um 18 Uhr. – Unter dem 20. Mai findet sich in seinem Tagebuch eine einzige Notiz:

„22 h Louis (Zanzi-Bar).“

Das Fragment gebliebene literarische Testament „The Ordeal of the European Intellectals“ (USA, Juni 1949) publiziert ERIKA MANN in der Schweiz im Juli 1949 unter dem Titel „Die Heimsuchung des europäischen Geistes“ – eine ebenso brillante wie leidenschaftlich-redliche Abrechnung mit der abendländischen Kultur und ihren Ideologien. Der Essay bricht ab, nachdem Klaus Mann Bertrand Russels erstaunlichen Appell referiert, aus Protest gegen den weltweit neu heraufziehenden Ungeist der Lüge, polarisierender Entzweiung und politischer Barbarei das Fanal eines kollektiven Selbstmordes aller Künstler und Intellektuellen zu setzen.

Ohnmacht des Geistes (diesem stets treu bleibend!), Enttäuschung (immer wieder sich aufraffend!), Ausweglosigkeit aus dem Dilemma neuer Bedrohung zwischen den zwei politischen Lagern (das eigene Gewissen nicht verratend!).

Der Grabstein auf dem Friedhof in Cannes trägt die Aufschrift: Klaus Heinrich Thomas Mann, und so scheint der berühmtere Vater, gegen dessen Schatten Klaus vergeblich ankämpfte, doch noch das letzte Wort zu behalten. Dieser sah im Sohn einen „schlaffen“ Träumer, der höchstens „gebrechliche Poesie“ verfassen konnte.

KLAUS MANN hingegen war jemand, für den Leben und Schreiben, Geist und lustvoller Genuss des Lebens in allen Aspekten, mithin politisches Engagement und Kunst, nicht Widerspruch, nichts davon abzuspalten und zu verhüllen, gar zu verdrängen war. Erstaunlich und respektheischend bleibt, dass er nie zu einem Dichter des "Kaputten" wurde, bei aller Melancholie nie das "Negative" zelebrierte, nie dem Pessimismus verfiel, - sondern bis zuletzt kämpferisch, offen und aktiv arbeitete, und zwar viel. Ein Kompromissloser.

Seine Problematik ist unvermindert belangvoll. Der von manchem als Salonliterat, Morphinist und geringschätzig als Schwuler Abqualifizierte, blieb sich bis zuletzt treu und ging daran – über Jahrzehnte – zugrunde.

- An diesem Kern vergeblichen Suchens ist nun das 1998 geschriebene Stück von Andre Sokolowski interessiert:






Überthema ist die Liebe


- so schrieb 2004
der Berliner Theaterwissenschaftler JÖRG MIHAN an den Autor des Stücks, Andre Sokolowski:

Ein konkretes Thema ist die Utopie der Identität. Gesellschaft und Geschichte zwanghafter Prägung verhindern ein natürliches Gedeihen. Ein weiteres Thema, damit verbunden, ist die Erotik, die erregende Anziehung und Abstoßung und der Austausch des Menschen mit sich selbst, anderen und allen Umständen. [...]

Negativbefunde für den common sense, aber Hoffnungsimpulse überhaupt.

Alles dreht sich um sich selbst und ums Ganze. Hier wird nicht Aufklärung betrieben, sondern es ist aufgeschrieben, wie der Mensch in der Klemme steckt und sich darin verhält, wie seelische Not sich in Libido und Gewalt entlädt. Das ist kein psychologischer Befund, sondern ein gesellschaftlicher. [...]

Wer genau hinhört und hinschaut, wird aber tröstlich erleben, daß Sie nichts anderes wollen, als das, woran Ihre Helden scheitern: Geliebt zu werden und zu lieben und einfach erfüllt leben zu dürfen. Das ist Ihr keusches Geschenk an Ihre Leser und Zuschauer








Andre Sokolowski
KLAUS MANN STIRBT.
LiteraturPerformance
olaf brühl